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Ökosysteme der Zukunft schützen, bevor sie existieren

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Der in Frankreich ansässige Glaziologe Jean-Baptiste Bosson hat beobachtet, wie sich mehrere Gletscher in den europäischen Alpen zurückzogen und Mondlandschaften aus nacktem Gestein und mineralischem Boden hinterließen. Er hat auch beobachtet, wie sie schnell von Alpenseen, Wasservögeln und Wäldern besiedelt wurden.

„Ich habe sterbende Gletscher untersucht“, sagte Bosson, „und gleichzeitig die Entstehung neuer, unberührter Ökosysteme.“

Ihm kam der Gedanke, dass die 210.000 Gletscher des Planeten letztendlich der globalen Artenvielfalt einen Rückzugsort in einer sich erwärmenden Welt bieten könnten – oder, genauso gut, einen Tagebau, ein neues Skigebiet oder Öl- und Gasexplorationen beherbergen könnten, die alle bekanntermaßen den Gletscherrückgang verfolgen. In Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam, allen voran der Hydroökologin Sophie Cauvy-Fraunié, die die Gletscher der südamerikanischen Anden untersuchte, führte Bosson die Berechnungen durch.

Das daraus resultierende Papier mit dem Titel „Future Emergence of New Ecosystems Caused by Glacial Retreat“ wurde in veröffentlicht Natur im Jahr 2023 und prognostizierte, dass bis zum Jahr 2100 je nach Emissionsszenario 57.000 bis 130.000 Quadratmeilen Land und Süßwasser – Gebiete etwa von der Größe Nepals bzw. Finnlands – vom Eis befreit würden. Der pazifische Nordwesten, die Alpen, die Anden, der Himalaya und die peripheren Gletscher Grönlands und der Antarktis spielen bei diesen Berechnungen eine große Rolle.

„Wir müssen den Gletscherrückgang begrenzen“, sagte Bosson, „und um das zu erreichen, müssen wir uns dem Klimawandel stellen. Wenn wir gleichzeitig ganze vergletscherte Landschaften schützen, können wir gleichzeitig proaktiv die Ökosysteme schützen, die entstehen werden, wenn das Eis verschwindet.“

Zu diesem Zweck rief er die ins Leben Eis- und Lebensprojekteine Allianz von Forschern und Wissenschaftlern, die sich für den Schutz vergletscherter Landschaften einsetzt, bevor die Industrie ihre Ansprüche geltend machen kann. Die Gruppe hat bisher Zusagen zum Gletscherschutz von der französischen Bundesregierung erhalten und fordert die gleichen Zusagen auch von anderen Alpenländern in Europa, insbesondere Österreich und Italien. Das ultimative Ziel ist jedoch ein internationaler Vertrag, der diese Art von Gletscherschutz überall und gleichzeitig vorschreibt.

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