Die CDU- und CSU-Fraktionen im Europaparlament scheinen enger mit der AfD und anderen rechten Parteien zusammenzuarbeiten als bisher bekannt.
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Recherchen der Nachrichtenagentur dpa ergaben, dass die EVP zuletzt gemeinsam mit dem rechten Lager in einem Textgruppenchat und bei einem persönlichen Treffen der Europaabgeordneten an einem Gesetzesvorschlag zur Verschärfung der Migrationspolitik gearbeitet hat.
Bill saß seit Monaten fest
Der zur Verhandlung stehende Gesetzesentwurf sicherte sich bereits kurz nach der Abgeordnetensitzung die erforderliche Mehrheit im zuständigen Ausschuss des Europaparlaments.
Neben Mitgliedern der EVP-Fraktion stimmten auch Europaabgeordnete aus dem rechten Lager dafür, darunter auch die AfD-Politikerin Mary Khan. Das geplante Gesetz soll unter anderem die Abschiebung von Asylbewerbern in sogenannte „Rückführungszentren“ in Ländern außerhalb der EU ermöglichen.
Die Zusammenarbeit kam zustande, nachdem das Gesetzesvorhaben monatelang feststeckte und sich EVP, Sozialdemokraten und Liberale nicht einigen konnten.
Diese drei Parteienfamilien bilden normalerweise ein informelles Bündnis im Europäischen Parlament, das jede Zusammenarbeit zwischen der EVP und rechtsextremen Parteien „überflüssig“ machen soll.
In diesem Fall scheiterten die Bemühungen um eine Einigung jedoch Anfang März, da die Sozialdemokraten sich weigerten, das Konzept der „Rückführungszentren“ in seiner jetzigen Form zu unterstützen. Berichten zufolge wurde daraufhin eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der die EVP den rechten Gruppen ihren Vorschlag vorstellte.
Zu der Gruppe gehörten die konservative, rechtspopulistische ECR mit Abgeordneten aus dem Lager der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Patriots for Europe (PfE), zu der auch Politiker von Marine Le Pens französischem Rassemblement National gehören, und die Gruppe Europa der Souveränen Nationen (ESN), zu der auch AfD-Abgeordnete gehören.
AfD-Vorschlag: Schutzmaßnahmen gegen Betrug bei Altersangaben
Mitglieder des Gruppenchats antworteten auf den Vorschlag mit Änderungswünschen. Nach dpa-Informationen berücksichtigte die EVP auch Vorschläge aus dem Büro des AfD-Politikers Khan. In der WhatsApp-Gruppe schrieb die EVP beispielsweise: „Wir können das unterstützen.“
Khan plädierte unter anderem für größere Befugnisse der Behörden bei der Alterskontrolle von Asylbewerbern. Sie plädierte dafür, im Zweifelsfall auch durch medizinische Tests festzustellen, ob es sich bei den Schutzsuchenden tatsächlich um Minderjährige handele.
Kurz nach der Gründung der WhatsApp-Gruppe trafen sich die vier Europaabgeordneten von ESN, ECR, PfE und EVP am 4. März persönlich, um über den Gesetzentwurf zu verhandeln. Es waren der französische EVP-Politiker François-Xavier Bellamy, der AfD-Europaabgeordnete Khan sowie Ehlers von PfE und Weimers von der ECR. Gemeinsam erarbeiteten sie einen Gesetzentwurf für die bevorstehende Abstimmung.
Nach der Einigung schrieb jemand in der WhatsApp-Gruppe: „Vielen Dank für diese hervorragende Zusammenarbeit“, worauf Mitarbeiter der EVP mit dem applaudierenden Emoji antworteten.
Weber behauptet, dass „Firewall“ auf europäischer Ebene gilt
Zuvor hatte Manfred Weber, Chef der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) und stellvertretender CSU-Chef, immer wieder betont, dass im Europaparlament eine „Firewall“ herrsche und dass es keine Zusammenarbeit mit rechtsextremen Parteien gebe.
Im Gespräch mit der Bild am Samstag dementierte Weber nicht die Existenz der Chatprotokolle, verneinte jedoch jegliche politische Relevanz der AfD: „Die AfD spielt keine Rolle, wenn es um Mehrheiten und Inhalte geht. Als Fraktionsvorsitzender gebe ich die Strategie vor. Mitarbeiterchatgruppen kontrolliere ich jedoch nicht.“
Die Mehrheit im Ausschuss wird als Durchbruch für die mögliche Schaffung von EU-Rückkehrzentren gewertet. Die vorgeschlagene Rückführungsverordnung sieht vor, dass abgelehnte Asylbewerber, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden können, in Aufnahmezentren außerhalb der EU gebracht werden sollen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wirbt für das Konzept, das das europäische Asylsystem entlasten soll. Gemeinsam mit vier weiteren EU-Ländern hat die Bundesregierung dafür einen groben Fahrplan erstellt. Kritiker warnen, dass dadurch die Grundrechte von Flüchtlingen verletzt werden könnten.
Die nun bekannt gewordene Zusammenarbeit mit rechten Parteien könnte das Vorhaben offenbar weiter gefährden.



