Der Entwurf von Schüler und Schüler-Witte für das ICC Berlin entstand aus einem einzigartigen politischen Klima, das verlangte, dass die Dinge größer werden, um besser zu sein. Tourismusexperten sagten Ende der 1960er Jahre einen stetigen Anstieg der Zahl internationaler Konferenzen voraus, und so könnte ein riesiges Zentrum, das für diese Momente gebaut wurde, genau das Richtige sein, um die Welt und ihren Geldbeutel nach Westdeutschland zu locken. Mit einer Kapazität von nur 1.200 Sitzplätzen galt die Kongresshalle im Tiergarten inzwischen als zu klein, um der Nachfrage gerecht zu werden (das Gebäude wurde inzwischen umgestaltet). Haus der Kulturen der Weltvon manchen als „die schwangere Auster“ bezeichnet). Und so schrieb die AMK (Ausstellungs-, Messe-, Kongress-GmbH) 1966 einen Wettbewerb zur Gestaltung einer Mehrzweckhalle mit einer maximalen Kapazität von rund 4.000 Personen aus. Der siegreiche Entwurf stammte schließlich von Schüler und Schüler-Witte, einem damals unbekannten Duo, doch die Stadtverwaltung stoppte das Projekt bald, bevor es beginnen konnte, mit der Begründung, es sei kein geeignetes Gegenmittel für die Herausforderungen der Zukunft. Es wäre einfach nicht groß genug.
Und während diese städtebauliche Übung westlich der Mauer stattfand, ostdeutscher Architekt Heinz Graffunder und die Bauakademie der Deutschen Demokratischen Republik finalisierten die Pläne für den neuen Sitz des Parlaments, den Palast der Republik. Das ehrgeizigste Gebäude in der jungen Geschichte der DDR (Ostdeutschland) sollte 1973 beginnen und 1976, nur drei Jahre zuvor, eröffnet werden ICC Berlin’s Abschluss. Die Pläne, die als glitzerndes Leuchtfeuer selbsternannter Bedeutung und Macht konzipiert waren, nutzten die Fähigkeit der Architektur, kühne gesellschaftliche Gefühle wie Schutz, Einheit und Stärke zu vermitteln: eine Sprache, die beide Teile Deutschlands fließend beherrschten. Und die Entstehung dieser Pläne löste zweifellos einen architektonischen Wettlauf um die Proklamation beider Dominanz aus.
Wieder einmal wurden die Architekten Schüler und Schüler-Witte mit dem Bau eines Konferenzzentrums beauftragt, doch dieses Mal entwarfen sie ein Biest, das zu kühn war, um aufgehalten zu werden: 313 Meter lang, 89 Meter breit und 40 Meter hoch.
Die höhlenartigen Hallen und weitläufigen Zwischengeschosse wecken gleichzeitig Gefühle von Transit und Transzendenz. Das Gefühl, durch das Innere des Gebäudes zu navigieren, schwankt zwischen dem Gehen über die Decks eines Schiffes und dem Bewegen zwischen den Bahnsteigen eines Bahnhofs.
von links: Boden-, Decken-, Fenster- und Wanddetails laufen am oberen Ende einer Treppe zusammen; Der benachbarte Funkturm Berlin teilt sich die Skyline mit dem ICC Berlin
Im Internationalen Congress Centrum in Berlin, Lichtskulptur „The Brain“ von Frank Oehring, 1979
Heute ist das ICC Berlin in der Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft eingefroren, aber glücklicherweise ist eine Zukunft garantiert. Henke hofft, dass die Stadt damit einen Fall des „Zombie-Urbanismus“ vermeiden kann, wie er es nennt. Die formelle Aufforderung, Pläne für die längst überfällige zweite Nutzung des Gebäudes vorzuschlagen, geht mit der strikten Auflage einher, dass es ein Ort für die Öffentlichkeit sein soll – ein Ort der Begegnung, der das Leben von Einheimischen und Besuchern gleichermaßen bereichert. Der ursprüngliche Entwurf von Schüler und Schüler-Witte für das Gebäude wirft viele Fragen darüber auf, wie wir uns die Zukunft vorstellen, Fragen, die, wie Henke sagt, „schon in den 1970er-Jahren sehr zeitgemäß waren“. „Es geht nicht nur um Beton und Aluminium“, fügt er hinzu. „Es gibt einen immateriellen Nutzen. Damit sind jahrzehntelange Menschenleben verbunden.“
Mit Blick auf die notorisch gestelzte bürokratische Entscheidungsfindung der Stadt schließt er ab: „Zum Glück war Berlin zu langsam, um den Fehler zu begehen, dieses Gebäude abzureißen. Es existiert noch. Wir haben immer noch sein volles Potenzial.“
Fotografie von Bastian Achard. Aus 10+ Ausgabe 8 – ZUKUNFT, JUBILÄUM, FEIER – jetzt erhältlich. Bestellen Sie Ihr Exemplar Hier.
Interne Treppen und erhöhte Gehwege, Verbindungsebenen und Hallen;



