Auf der Insel St. Croix, der größten der Amerikanischen Jungferninseln, steht ein fast 300 Jahre alter Affenbrotbaum fest in der Mitte einer Wiese. Sein 15 Meter breiter, geschwollener Stamm und die windigen Äste sind ein Spektakel vor einer ansonsten gewöhnlichen Kulisse. Schaulustige sagen, es sehe so aus, als wäre der Baum verkehrt herum gepflanzt worden. Aus diesem Grund trägt er den Spitznamen „Wandelnder Baum“, der auf eine alte Legende zurückgeht, wonach Gott ihn umgedreht hat, um ihn am Wandern zu hindern.
Der in Afrika beheimatete Affenbrotbaum soll hier nicht wachsen. Wie es um 1750 in die Karibik gelangte, war schon lange Gegenstand von Spekulationen. Doch für viele Inselbewohner ist die Antwort klar: über die transatlantische Sklavenreise oder Middle Passage. „Die versklavten Menschen (brachten) den Samen in ihren Haaren, Halsketten und Ohrringen“, sagte er Olasee Davisein karibischer Ökologe und Historiker. „So kam die Saat in diesen Teil der Welt.“
Geschichten darüber, wie der Affenbrotbaum entstand und was der Baum bedeutet, sind alltäglich und werden über Generationen hinweg weitergegeben. Als sie auf St. Croix aufwuchsen, wurde Davis und den anderen Kindern oft von der historischen und spirituellen Bedeutung des Baumes erzählt – sogar davon, dass sein hohler Stamm als Portal zum Zuhause dienen könnte. „Uns wurde gesagt, wenn wir bei Vollmond zum Affenbrotbaum gehen würden, würde sich das Loch öffnen und wir könnten nach Afrika zurückkehren“, erinnert sich Davis.



