Disziplin. Kontrolle, Ritual, Wiederholung.
Unheimliche Kostüme zeigen eine Kohorte von Tänzern in passenden Nadelstreifenkleidern aus Popeline, deren Gesichter verdeckt sind und deren Körper durch schlaffe Stoffschaufensterpuppen, die an ihren Schultern festgebunden sind, verdoppelt werden. Es ist Morgendämmerung – oder Abenddämmerung –, schwer zu erkennen im Dunst, der über einem verlassenen Landsitz hängt, wo alles zwischen Probe und Realität zu schweben scheint. Es ist Disziplindie 31. Folge von Miu Miu‚S Frauengeschichten Serie.
Miu Mius Women’s Tales feiert am 12. Februar in New York Premiere und setzt sich seit seinem Debüt im Jahr 2011 für weibliche Filmemacher ein Disziplingeleitet von Hier Fastvoldsetzt das Haus seine fortlaufende Diskussion über Weiblichkeit, Autorschaft und die kodierte Sprache der Kleidung fort.
Das Setting ist gotisch, fast klaustrophobisch. Der Film beginnt langsam: das Geräusch des Atmens, tiefes Ein- und Ausatmen, unterbrochen von sporadischem Trommeln – wie das Klirren von Töpfen in einer fernen Küche. Die Tänzer bewegen sich vorsichtig und kümmern sich um ihre Stoffpuppen, als würden sie Kinder auf den Tag vorbereiten. Sie kleiden sie in identische Nadelstreifen, glätten Kragen und richten Säume aus. Auf jedes Detail, jede Geste wird geachtet.
Draußen spielen sie. Würfelspiele. Klatschspiele. Lektüre. Gymnastik auf dem Rasen. Die Mannequins bleiben an ihnen festgeschnallt, passiv, aber allgegenwärtig. Nur die Nonnen bewegen sich unbelastet – ihre Gesichter sind verdeckt, ihre Gesichtsausdrücke sind nicht erkennbar. Wenn eine Glocke läutet, stellen sich die Tänzer in einer Reihe auf und marschieren in Formation, wobei sie mit einer leicht unheimlichen Note an die Schulhofordnung erinnern. Wenn eine Schaufensterpuppe stolpert, stoppt die Prozession. Die Störung ist behoben. Sie machen weiter.
Die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen. Ein fallengelassener Löffel löst eine weitere Pause aus; Köpfe wenden sich dem Fehler zu. Sogar der Fehler hat eine Choreographie. Im Klassenzimmer legen sie Prüfungen ab, die von gesichtslosen Nonnen beaufsichtigt werden. Eine Obernonne prüft ihr Aussehen. Alles wird überwacht.
Der Tanzunterricht bietet eine Veränderung des Tempos, aber keine Kontrolle. Die Gruppe bewegt sich synchron – Port de Bras, Arabesken, Drehungen und Knicks – während Flöten und schwere Streicher anschwellen. Die Choreografie mutiert zu einem zunächst kindlichen, dann immer hektischeren Klatschspiel. Der Rhythmus beschleunigt sich. Die einander gegenüber sitzenden Schaufensterpuppen scheinen in unregelmäßigem Gleichklang zu schlagen und zu rütteln, wobei die Grenze zwischen Spiel und Aggression zusammenbricht.



